Offener Brief der Elschbächer Kerbgemeinschaft e.V. an Gemeindevorstand, Parteien der Gemeindevertretung, Egelsbacher Vereine und Körperschaften

Betreff: Zukunft der Egelsbacher Veranstaltungsstätten

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir schreiben diesen Brief in großer Sorge, nicht nur um die Kerbtradition, sondern um das gesamte Vereinsleben in Egelsbach. Deshalb sehen wir uns gezwungen, uns bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres in einem offenen Brief an Sie zu wenden.

In der aktuellen Debatte um die Zukunft des Eigenheims sowie die geplante neue Veranstaltungsstätte hat sich durch das Bekanntwerden der Gefahrenverhütungsschau aus dem Jahr 2012 eine neue Situation ergeben. Diese sollte eine grundlegende Neubewertung aller Optionen nach sich ziehen.

Seit dem vergangenen Sommer wurden keine entscheidenden Neuerungen im Planungsprozess bekannt, ein Fortschritt ist für die Öffentlichkeit somit nicht zu erkennen. Der Zeitplan, der uns von Seiten der Gemeinde seit etwa anderthalb Jahren unverändert präsentiert wird, ist unserer Meinung nach bereits jetzt nicht mehr einzuhalten. Nach jetzigem Stand muss sich Egelsbach somit auf mehrere Jahre ohne geeignete Veranstaltungsstätte einstellen. Traditionelle Termine im Egelsbacher Kalender wie etwa Fastnacht oder die Kerb stehen damit vor großen Problemen, denn die aktuell praktizierten Alternativlösungen können durch den immensen finanziellen Mehraufwand nicht über mehrere Jahre in der Form umgesetzt werden.

Die Zeltkerb war im vergangenen Jahr nur durch die großzügige Unterstützung seitens Egelsbacher Bürger und Firmen möglich, was sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern wird, denn mit ca. 10 000 Euro sind die Mehrkosten erheblich.
Der Bericht der Gefahrenverhütungsschau lässt vermuten, dass die Kosten zur Behebung aller sicherheitstechnischen Mängel des Eigenheims weitaus geringer ausfallen könnten als die Mehrkosten, die an den großen Veranstaltungen innerhalb nur weniger Jahre entstünden. Daher sollte diese Option nicht voreilig verworfen, sondern neutral geprüft werden. Denn wäre es nicht weitaus sinnvoller, wenn die Egelsbacher Bürger und Firmen einmalig für die Reparatur des Eigenheims spenden, anstatt Jahr für Jahr für ein Zelt?

Somit könnte das Eigenheim zumindest für die Übergangszeit genutzt werden, bis eine neue Veranstaltungsstätte Realität geworden ist. Die Vorteile liegen auf der Hand: Vereine und Verwaltung gewinnen Zeit und das öffentliche Leben in Egelsbach kann vorerst weiterhin wie gewohnt im Eigenheim stattfinden. Die Verwaltung und die politischen Organe können sich derweil ohne Druck der gründlichen Prüfung aller Optionen widmen.

Zusätzliche Zeit im Planungsprozess ist aus unserer Sicht unerlässlich, denn die aktuellen Planungen zur neuen Veranstaltungsstätte lassen derzeit noch viele Fragen offen, die für das öffentliche Leben in Egelsbach essentiell sind:

Erstens: Wird die neue Veranstaltungsstätte für alle Egelsbacher Vereine nutzbar und vor allen Dingen auch bezahlbar sein?
Die jetzigen Planungen lassen uns daran zweifeln, insbesondere mit Blick auf die kalkulierten Betriebskosten. Das Ziel, die jährlichen Betriebskosten – deren Höhe für Eigenheim und Bürgerhaus ja immer wieder als Argument gegen diese Gebäude angeführt wurde – zu senken, wird aktuell klar verfehlt.

Zweitens: Gibt es einen Refinanzierungsplan sowie einen realistischen Nutzungsplan?
Die Frage der Finanzierung scheint derzeit noch ungeklärt. Gleichzeitig wird sie von den Parteien, die den Verkauf des Eigenheims befürworten, konsequent ignoriert. Kann eine so teure Investition in einer Schutzschirmgemeinde vom Regierungspräsidium möglicherweise abgelehnt werden? Sollen die Betriebskosten einfach auf die einzelnen Nutzer umgelegt werden?
Da die neue Veranstaltungsstätte für Egelsbacher Bürger und Vereine gedacht sein soll, müssten diese also mit einer erheblichen Mehrbelastung durch die Nutzungskosten rechnen. Sollte die Gemeinde diese Veranstaltungen dauerhaft finanziell unterstützen, so wird der öffentliche Haushalt weiter belastet. Beides kann nicht Ziel dieses Prozesses sein.

Drittens: Wie sieht ein realistischer Zeitplan bis zu einer Entscheidungsfindung und der anschließenden Fertigstellung einer neuen Veranstaltungsstätte aus?
Solange diese Fragen nicht abschließend geklärt sind, sollte das Eigenheim als eine Veranstaltungsstätte, deren Zustand offensichtlich nicht so schlecht ist wie in den letzten Jahren dargestellt, keinesfalls abgerissen bzw. verkauft werden. Denn bis eine neue Veranstaltungsstätte fertiggestellt ist, gibt es in Egelsbach möglicherweise kein Vereinsleben mehr, das diesen Neubau anschließend mit Leben füllen kann. Deshalb unterstützt die Elschbächer Kerbgemeinschaft das von den Fraktionen WGE und Die Grünen eingebrachte Bürgerbegehren.

In großer Sorge

Daniel Untch 1. Vorsitzender
Sebastian Gonsior 2. Vorsitzender

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